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Letzte Änderung
11.12.2017, 07:28

Gedenkstätte Struthof-Natzweiler

Zehntklässler der ERS Illingen besuchten die Gedenkstätte Struthof-Natzweiler

Illingen. Im Rahmen des Geschichtsunterrichtes  besichtigten die Klassen 10a und 10d Anfang September das ehemalige Konzentrationslager Struthof im Elsass.

Größer konnte der Unterschied nicht sein. Ein wolkenloser Spätsommerhimmel mit Temperaturen von 28 Grad gestattete den Jugendlichen aus Illingen eine herrliche Weitsicht über die Vogesen. Doch die Schönheit der Landschaft stand im krassen Gegensatz zu Zäunen aus Stacheldraht, Wachtürmen, Kreuzen und Baracken.

Hier in den Vogesen hatten die Nationalsozialisten 1941 damit begonnen, ein Konzentrationslager zu bauen.  Denn auf dem Mont Louise wurde 1940 ein Gestein entdeckt, das hervorragend für die  geplanten Prachtbauten in Deutschland geeignet erschien. So entstand an dieser Stelle  ein Männerarbeitslager, in das Menschen aus 31 Nationen gebracht wurden. Unter den Deportierten waren sowohl politische Gegner der Nazis als auch Juden, Sinti und Roma oder französische Widerstandskämpfer.

Sehr anschaulich schilderte Axel Brück vom evangelischen Jugendwerk, der sich sehr intensiv mit den Konzentrationslagern der Nazis beschäftigt, den Schülern die Arbeit der Inhaftierten in den Steinbrüchen. Doch nicht nur diese Arbeit war für die Menschen kaum zu ertragen, sondern schlimmer noch waren die Schikanen der Bewacher. Zum Beispiel mussten die Sträflinge nach der Arbeit einen Stein auf dem Rücken in das Lager schleppen, der hier nicht gebraucht wurde und deshalb am nächsten Morgen wieder mit in den Steinbruch genommen werden musste. Die Schüler sollten lediglich einen solchen Stein hochheben, woran die meisten schon scheiterten. Sehr schnell bemerkten die Besucher auch eine weitere Schikane:  Alle Treppenstufen innerhalb des Lagers  waren uneben und unterschiedlich hoch. Die Schüler hatten Mühe, sie zu begehen. Schier unfassbar war für sie, dass sich die Gefangenen hier immer im Laufschritt bewegen mussten und bei Stürzen mit Schlägen oder Essensentzug bestraft wurden.

Überhaupt gab es im Lager kaum etwas zu essen. Dies wurde besonders deutlich, als die Jungen und Mädchen die Fotos und Gemälde im Museum betrachteten, wo ihnen nur noch Gerippe entgegensahen.

Axel Brück erzählte den jungen Leuten von Hinrichtungen und  Morden im Lager, die an der Tagesordnung waren, aber auch von Fluchtversuchen, die bis auf einen einzigen scheiterten.

Einen großen Eindruck hinterließen bei den Schülern auch die Arrestzellen oder die medizinischen Versuchsräume. Die Mädchen und Jungen wurden aufgefordert, mit insgesamt 18 Leuten in einer solchen Zelle zu bleiben, in der man weder sitzen noch  liegen durfte. Stattdessen mussten die Gefangenen tagelang im Stehen darauf warten, welche Strafe sich die Kommandanten ausgesucht hatten. Drei Mutige wurden auch ganz kurz in einen sogenannten „Ofen“ gesperrt, wo drei Gefangene als besondere Strafe mehrere Tage in einem Raum von ca. einem Kubikmeter  verbringen mussten. Die Besichtigung eines ärztlichen „Untersuchungszimmers“, in dem  medizinische Experimente an Gefangenen durchgeführt wurden, ließ die meisten Besucher sehr blass und still werden.

Besonders erschüttert waren die jungen Leute vom Krematorium und der Gaskammer. In letzterer tötete Prof. Hirth von der Uni Straßburg Juden, die speziell aus Auschwitz nach Struthof gebracht worden waren.  Anschließend wurden an den Leichen in der medizinischen Fakultät in Straßburg Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse die Minderwertigkeit der jüdischen Rasse beweisen sollten. Für die Ermordung  von Gefangenen war die Gaskammer nicht notwendig, denn ab 1943 galt in den Lagern die Devise „Vernichtung durch Arbeit“.

Es war kein schöner Ausflug in die herrliche Vogesenlandschaft, den die Schüler erlebten, aber alle waren sich einig, dass es ein notwendiger Besuch war. Man kann über die Grausamkeiten der Nationalsozialisten vieles aus Büchern oder Filmen erfahren, aber dort zu stehen, wo so vielen Menschen unendliches Leid zugefügt wurde, empfanden die Schüler als besonders eindrucksvoll.  „Dass wir hier über Wege gehen, die tausende von Gefangenen gingen, ist schon erschreckend“, bemerkte ein Mädchen.  Still und in sich gekehrt machten sich alle auf die Heimfahrt.

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